Menschen

Puppenspiel

Sie gilt als Königsdisziplin und ist zugleich eine der ältesten Formen des Theaters: die Puppenspielkunst. Das Etablieren einer festen Puppentheater sparte am MiR ab der Spielzeit 19.20 ist ein Novum an einem Opernhaus – eine Tatsache, auf die das MiR ganz besonders stolz ist! „Puppentheater“ ist dabei nur ein Oberbegriff für einen ganzen Kosmos an Ausdrucks- und Erscheinungsformen und schließt sowohl Figuren-, als auch Objekttheater ein. Während es in Ostdeutschland – als Reaktion auf den Missbrauch zu Propagandazwecken durch das „Dritte Reich“ – ununterbrochen gepflegt wurde, führte das Puppentheater in Westdeutschland eher ein Schattendasein. Die Geschichte der Gattung lässt sich bis ins Altertum zurückzuverfolgen und hat eine überaus reiche Tradition. Die Spannbreite reicht vom klassischen Marionetten-, Klappmaul-, Stockpuppen- und Schattentheater bis hin zu heutigen hybriden Theaterformen, in denen sich auf spannende Weise Figur, Raum, digitale Medien und Darsteller immer wieder neu verbinden. Sprachbarrieren spielen bei dieser Kunstform eine vergleichsweise geringe Rolle. Puppen- und Figurenspiel wirkt unmittelbar, ist für jeden verständlich und zudem in der Lage, inklusiv zu arbeiten. Das Puppentheater steht auch für den Begriff der Diversität und schlägt Brücken zu anderen Kulturen. Umgekehrt kann es Wegbereiter für weitere Opernbesuche sein.

In der vergangenen Spielzeit wurde eine Kooperation erprobt, die nun Früchte trägt: In „Der gestiefelte Kater“ zur Musik von Peter Francesco Marino waren erstmals Absolventinnen der Hochschule für zeitgenössische Puppenspielkunst Ernst Busch aus Berlin am MiR zu erleben. Ab der Spielzeit 19.20 werden nun vier Studierende der Ernst Busch-Hochschule – der vielleicht renommiertesten Ausbildungsstätte für Puppenspielkunst im deutschsprachigen Raum – am MiR im Rahmen eines Puppentheater-Studios in Erscheinung treten. Dies hat Vorteile für beide Seiten: das Publikum erlebt hochmotivierte, kreative Spieler*innen, die ihrerseits die für sie wichtige Praxis erwerben. Verstärkt wird dieses Team noch durch eine*n professionelle*n, ab der Spielzeit 2019.20 fest am MiR engagierte*n Puppenspieler*in. Auch die Puppen selbst werden in Zusammenarbeit mit der Ernst-Busch-Hochschule angefertigt. Ihren ersten Auftritt haben die Puppenspieler*innen der Ernst-Busch-Hochschule bereits in unserer Eröffnungspremiere: Für das Monster in der Oper „Frankenstein“ hat der Komponist/Textdichter Jan Dvořák ausdrücklich eine von drei Spieler*innen geführte Puppe vorgesehen.